Die Hure und die Bar

Draußen war Frühling und es regnete. Drinnen stand sie, mit der Stirn gegen den abgenutzten Pfeiler der Bar, mehr schwankend als stehend, gelehnt und nuschelte: „Ich hass den Puff, ich hass den…!“ Sie hatten beide viel mitgemacht. Sie und die Bar. Die Brandflecken auf der klebrigen Oberfläche der Theke waren im dumpfen Licht des etwas veralteten Etablissements schwer auszumachen. Aber es war möglich. Als die Wirtin ihr einen ausgab, hätte man bemerken können, dass ein Tropfen auf ihr perlte. Die Tür öffnete sich. Drei Typen kamen grölend, lachend und lallend herein. „Habt ihr auch Maßkrüge?“ brüllte einer von ihnen in Richtung Bar. Alle drei stellten sich an dieselbige. Die Wirtin verneinte und schenkte ihnen im Anschluss drei Halbliterkrüge aus. Wuchtig stießen sie an, während das Wimmern am Pfeiler der Bar verstärkt wurde. Das Bier schwappte dabei aus den Krügen in die anderen, auf die Bar und auf den Boden. Ihre klatschnassen Jacken hatten sie nicht ausgezogen. Sie ließen die Krüge auf die Theke niederfahren als wären es Thors Donnerkeile. Das verschüttete Bier spritzte zu allen Seiten weg. Die Wirtin hatte sich mittlerweile zu ihr gesellt und sie in den Arm genommen. Doch auch das Trösten konnte an der Lautstärke nichts ändern. Als sie das Präsent der Wirtin zu sich nehmen wollte, machte ihr das Schlucken Schwierigkeiten. Voller Macht orderte einer der drei noch eine Runde. Wieder spritzte das Bier in alle Richtungen. Die Theke war ein See. Einer hatte einen Witz gemacht. Er war nicht witzig. Ein Anderer schlug mit der geballten Faust auf die Theke ein; seine Art zu lachen. Am anderen Ende der Bar verlor sie zwischendurch die Kontrolle über ihre Beine und setzte sich mehr oder weniger freiwillig auf den Boden. Die Drei eroberten sich den Rest der Bar und besetzten ihn mit ihrer Bierlache. Eine halbe Stunde später, saß sie ebenfalls in ihr.

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Eine Antwort to “Die Hure und die Bar”

  1. tamara Says:

    Momentaufnahmen mochte ich immer schon gerne, besonders, das soll aber ein Geheimnis bleiben griiiins, früher in Amsterdam. schreib doch weiter, schreib doch mehr… mir gefällt’s.

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